Die Mutter brutal, der Vater betrunken, beide verletzlich. Die eigene Meinung eine Gefahr, denn Trennung wäre tödlich. Nicht auf die eine Seite will ich mich schlagen, nicht auf die andere. Aus dem Weg gehen muss ich ihr und ihm und mir. So oszilliere ich über den beiden, schwebend, ohne Halt.
Festgemauert in der Erde … hält sie mich, lässt mich nicht los. Es gibt kein Vor und kein Zurück, kein Auf und kein Ab, kein Links und Rechts. Dieses Festgehaltenwerden macht Panik und lässt die Angst auf eine merkwürdige Weise verschwinden. Auch, wenn der Körper unter diesem Druck sterben könnte. Wenn ich Abschied davon nehmen möchte, fliege ich weg. Oder nicht?
Kommentar: Kinder, die in einer Festhalte- oder Vojtatherapie gequält wurden, die gestraft wurden, die sich wortwörtlich oder im übertragenen Sinne nicht bewegen durften, suchen möglicherweise als Erwachsene immer wieder die Enge. Sie quälen sich in Verstrickungen, weil ihnen das angenehmer erscheint als die drohende Freiheit. Sie wird oft leichter möglich, wenn da einer ist, der einen hält.
„Es ist hart“, sagt die Mutter. Und sucht Anerkennung. „Da siehste mal, wie das für mich war!“, sagt deren Mutter. Auch sie sucht Anerkennung. Müde gehen sich beide mit ihren Blicken aus dem Weg. „Ich mach‘ es besser“, denkt die Tochter. Denkt die Mutter. Und die Mutter, die Tochter beendet den Kampf nicht. Anerkennung kann so nicht kommen. Zu alleingelassen waren beide viel zu lange. Lassen ist die Medizin. Weiterlesen
Mit deiner ewigen Hab-acht-Stellung willst du dich schützen. Doch erschöpfst du dein Herz. Die Hab-acht-Stellung in einer friedlichen Umgebung bewirkt, dass du die Umgebung als bedrohlicher deklarierst, als sie ist. Die Hab-acht-Stellung ist veraltet. Sie stammt aus deiner frühen Kinder-Zeit, als du noch keine Worte hattest, als du noch nicht sehr weit denken konntest, als du noch nichts wusstest, als du völlig ausgeliefert warst. Siehe, die Zeiten haben sich geändert. Aber du schleppst deine Acht mit dir herum wie ein Ewigkeitszeichen. Schmeiß sie weg. Schmeiß sie weg. Weiterlesen
Sich hübsch anzuziehen – ein Verrat. Mit dem Freund Hand in Hand zu gehen – ein Verrat. Zärtlichkeit – ein Verrat. Weiblich, erfolgreich, zufrieden, erwachsen zu sein – alles ein Verrat an der Mutter. Intim zu werden, schwanger zu werden, ein Kind zu bekommen – kein Verrat. Wo ist da die Logik?Weiterlesen
Das Kind, es schaut sich immer um. Es duckt sich. Überall erscheint es zu früh, um zu testen, ob die Luft rein ist. Nie wieder, nie wieder, will es, wie als Kind, plötzlich überfallen und festgehalten werden. Das Kind ist jetzt in ganz anderen Situationen. Zusammen mit Menschen, die Sicherheit bieten. Kann sein Inneres es unterscheiden? Kann sein Inneres heilen? Eine Frage der Zeit? Der Wiederholung? Der neuen Erfahrung? Der Sinn-Schärfung? Der Differenzierungsfähigkeit? Schau, Kleines, es ist alles gut. Wirklich gut. Hier ist nichts Böses. Kein Angreifer mehr da. Sie sind alle weg. (Text & Bild: © Dunja Voos) Weiterlesen