Du kannst es auch allein! Sonnencremes, Antidepressiva und das Vertrauen in sich selbst
Manche Menschen können sich gar nicht mehr vorstellen, dass auch ein schwerer grippaler Infekt mit Bettruhe von alleine wieder vergehen kann. Die gesunde Haut fettet sich von selbst, dazu brauchen wir keine Cremes. Der gesunde Darm schafft seine Verdauung alleine, wenn wir ihn nicht mit Verdauungsmitteln durcheinanderbringen. Auch Geburten verlaufen bei gesunden Müttern und Kindern ohne besondere Eingriffe von außen oft am besten. Doch woher kommt unsere Eingreiferitis?
Unsere technischen und medizinischen Möglichkeiten geben uns von außen Sicherheit. Doch die innere Sicherheit verlieren wir manchmal, wenn wir uns daran gewöhnen, zu früh zu den äußeren Hilfsmitteln zu greifen. Welche Frau traut sich noch zu, ohne Hilfsmittel durch die Wechseljahre zu gehen?
In der Sendung „Planet Wissen“ ging es im September 2018 um „Resilienz – Was die Seele stark macht“. Der Studiogast und Psychiater Dr. Christian Peter Dogs (Wikipedia), wurde selbst als Kind von Alkoholiker-Eltern schwer misshandelt. Er macht den Menschen Mut. Christian Dogs sagt Dinge, die so kaum gesagt werden: „Einsamkeit ist keine Krankheit … Du wirst resilient, wenn Du keine Alternative hast … Du schaffst es auch allein … Wichtig ist die gute Beziehung zu sich selbst.“
Wer weiß heute noch, wie sich das Zahngebiss der Kinder natürlicherweise entwickeln würde? Und wer gewöhnt seine Haut schrittweise an die Sonne, damit sie natürlicherweise und langsam den Schutz durch Pigmente aufbaut, anstatt direkt Sonnencreme zu benutzen, die wiederum selbst schädlich sein kann (Berwick 2011)?
Viele berichten von unglaublichen Heileffekten durch alternative Therapien. Dabei zeigen Studien, dass die vermeintliche „Heilung“ zu einem bestimmten Zeitpunkt auch spontan eingetreten wäre. So verschwinden beispielsweise Warzen häufig nach zwei Jahren – ob mit Chemie, Woodoo oder Abwarten (Ärzteblatt 2011). Auch die schmerzhafte „Frozen Shoulder“ (Steife Schulter) heilt oft von selbst nach zwei Jahren aus (Hagiwara 2012).
Die Wiederentdeckung des „von-allein“
Es ist oft nicht leicht, sich selbst wieder zu vertrauen. Wer einmal durch eine längere Phase der Erschöpfung geht, wird vielleicht sehen, dass die Kraft mithilfe gesunder Ernährung oder regelmäßigem Yoga von alleine wiederkommen kann. Man muss sich nicht sofort vor Burnout oder Depressionen fürchten. Und selbst wenn man eine Depression hat: Viele Betroffene kommen ohne Medikamente viel besser klar als mit Medikamenten.
Wer Glück hat, trifft auf einen Arzt, der erst einmal eine Weile geduldig begleitet und nicht gleich meint, jetzt unbedingt etwas tun zu müssen. Wie oft stellen wir fest, dass allein der Arztbesuch geholfen hat und dass wir die verschriebenen Medikamente gar nicht benötigen? Es kann sehr erleichternd sein, wenn man feststellt, dass sich vieles auch von alleine regelt. Es muss nicht alles sofort passieren – um festzustellen, dass wir uns auch auf uns selbst verlassen können, brauchen wir manchmal mehr Geduld als gedacht. Aber das Warten und Schauen lohnt sich.
Links:
Heinzl, Susanne (2011):
Therapie von Warzen: Kryotherapie und Salicylsäure vergleichbar effektiv
Dtsch Arztebl 2011; 108(28-29): A-1579 / B-1339 / C-1335
http://www.aerzteblatt.de/archiv/98183
Berwick M (2011):
The Good, the Bad, and the Ugly of Sunscreens
Clinical Pharmacology & Therapeutics (2011) 89 1, 31-33. doi:10.1038/clpt.2010.227
http://www.nature.com/clpt/journal/v89/n1/full/clpt2010227a.html
Hagiwara, Yoshihiro et al. (2012):
Bilateral refractory frozen shoulders treated with conservative and surgical treatments—a case report of long-term follow-up.
European Orthopaedics and Traumatology
DOI: 10.1007/s12570-012-0087-9
„Though the natural history of frozen shoulder
is not well understood, idiopathic frozen shoulder is considered
to be a self-limited disease [3, 9]. …
Codman used the term frozen shoulder and described that
most cases resolved in about 2 years without treatment. [3]“
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 22.3.2012
Aktualisiert am 31.1.2025
2 thoughts on “Du kannst es auch allein! Sonnencremes, Antidepressiva und das Vertrauen in sich selbst”
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Lieber Robert,
vielen Dank für Ihren Kommentar und den Hinweis zum falschen Link. Hier der richtige:
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1038/clpt.2010.227/abstract
(Berwick M (2011):
The Good, the Bad, and the Ugly of Sunscreens
Clinical Pharmacology & Therapeutics (2011) 89 1, 31–33. doi:10.1038/clpt.2010.227)
Viele Grüße,
Dunja Voos
Ich vermied einfach jahrelang die Sonne, was ein Fehler war. In diesem Sommer machte ich genau was Sie hier vorschlugen, gänzlich ungeschützt aber systematisch seine Haut daran gewöhnen. Die braune Schicht verhindert sehr wohl, dass es zu einem Brand kommt, welcher, wenn ich es richtig verstehe, ursächlich für Hautkrebs sein kann – aber was ist mit den Cremes…interessanterweise, nach wenigen Tagen hatte ich keine splitternden Fingernägel mehr. Dieses Problem hatte mich ein paar Jahre beunruhigt. Ich nehme es als Bestätigung, dass ich tatsächlich einen Vitamin-D-Mangel hatte. Vermute aber, dass Sonnenschutzmittel gerade diese heilende Wirkung verlangsamen. Der link hier oben brachte aber nicht den erwünschten Artikel über „sunscreens“.