Kehlkopf-Asthma, Stimmritzenkrampf: Wenn bei schleimigem Husten oder starker Emotion das Einatmen nicht mehr geht

Ich hatte eine schwere Erkältung und merkte, wie sich Schleim auf meine Stimmlippen setzte. Schon den ganzen Tag war ich heiser und konnte kaum sprechen. Die Schleimschicht konnte ich auf einmal nicht mehr abhusten. Ich spürte den verstopften Atemweg am Kehlopf. Ich konnte quasi nicht mehr einatmen und war nachts allein im Hotel. Der „Gag“ bei Atemnot ist, dass man den Rettungswagen selbst nicht mehr rufen kann. Unglaublich, wieviele gedanklich da passiert: Während mir schon schwindelig wurde, tat es mir für mein Kind leid, dass ich die nächsten Zukunftsschritte vielleicht nicht mehr mit ihm erleben könnte.
Alle Grübeleien über Glauben und Religion, die ich mir jemals gemacht haben, waren weg: Der Tod ist etwas ganz Konkretes und Bodenständiges. Ich trauerte um mich selbst und merkte: Ich hatte mich in all den Jahren meines Lebens liebgewonnen.
Gefühlt eine Ewigkeit dauerte diese Situation. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass der Kehlkopf ohne Hustenkraft jemals von selbst wieder frei werden könnte. Ich lief mit hohem Puls und Sterbensangst durch das Hotelzimmer. Ich rieb mir mit zwei Fingern die Nasenscheidewand. Ich zwang mich enorm zur Ruhe. Und auf einmal gab der Kehlkopf der Luft wieder den Weg frei.
Ich öffnete vorsichtig das Fenster, doch die kalte Winterluft machte es direkt wieder schlimmer. Fenster zu, Erleichterung. Doch ich merkte, dass der Schleim noch nicht weg war. Wie gross war meine Angst vor einem erneuten Anfall! Vorsichtig ging ich im Zimmer auf und ab, versuchte, mich leicht zu räuspern und mit einem gewissen Anlauf leicht zu husten. Ich stellte mir die Stimmlippen vor, die nach vorne zusammengehen und nach hinten wie in einem Dreieck aufgehen. Ich spürte: Wenn ich nur ruhig genug durch die Nase atmete und die Luft hinten an der Luftröhrenwand entlangströmen liess, dann konnte ich weiter atmen. Doch wie lange noch? Die Angst sass tief.
„Spätestens, wenn ich ohnmächtig werde, entspannt sich der Kehlkopf doch wieder, oder?“, dachte ich ängstlich. Andererseits: wenn der Kehlklopf mechanisch, zum Beispiel durch einen Schleimpfropf, blockiert bleibt, nutzt auch die Entspannung nichts.
Ich duschte warm – sehr lange. Alles beruhigte sich. Irgendwann nachts kam der gefühlte zähe Schleim ganz unspektakulär raus. Gottseidank. Ich googelte vorsorglich nach Absauggeräten, die ich aus meiner Zeit als Ärztin von nächtlichen Notfällen auf einer Station der Inneren Medizin kannte. Gruselig. Man findet alles: Kehlkopfkrämpfe seien noch nie tödlich verlaufen, schreibt die eine Webesite. Kehlkopfkrämpfe seien lebensbedrohlich, heisst es auf der nächsten. Ich klappte den Laptop zu und war einfach nur sehr, sehr froh, zu leben.
Auch emotionales Kehlkopfasthma gibt es
Wer kurz vor dem Einschlafen oder aus dem Schlaf heraus unter plötzlicher Atemnot leidet, hat vielleicht ein sogenanntes „Larynx-Asthma“ (Kehlkopf-Asthma, Vocal Cord Dysfunction, VCD, Stimmbanddysfunktion, Deutsches Ärzteblatt 2008). Man schreckt mit Atemnot hoch, setzt sich auf, hustet, atmet ein paar Mal tief durch und langsam werden die Atemwege wieder frei. Der Anfall dauert etwa 1-2 Minuten. Schwere Atemnot kann auch von einem auf den anderen Atemzug entstehen, wenn man emotional berührt ist und vielleicht kurz vorher noch eine Erkältung hatte.
Das Ärzteblatt (8. Mai 2015) schreibt, dass verschiedene Allergieauslöser, Duftstoffe oder ein Mini-Verschlucken (Mikroaspiration) die Ursache der plötzlichen Einatem-Not sein könnten. Doch auch verschiedene psychische Zustände können das Kehlkopfasthma, das pro Anfall etwa 1-2 Minuten dauert, auslösen. Es ist, als würde man wie gegen einen Widerstand einatmen. Deutlich ist ein krampfhaftes Einatemgeräusch (inspiratorischer Stridor) zu hören. Es bleibt jedoch immer ein kleiner Spalt zwischen den Stimmlippen offen.
Diagnose
Viele Betroffene stellen sich die Diagnose „Kehlkopfkrampf/Laryngospasmus“ selbst, nachdem sie in Videos oder Berichten ihre typischen Symtpome wiedererkannt haben. Der Hals-Nasen-Ohren-Arzt kann die Diagnose „VCD“ (Vocal Cord Dysfuncion, Stimmband-Dysfunktion, Stimmband-Asthma) manchmal mithilfe eines Kehlkopfspiegels (Laryngoskop) stellen. Der Arzt benutzt dazu meistens einen dünnen, weichen Schlauch, der durch die Nase geführt und in den Rachen geschoben wird. So kann er mit einer Mini-Kamera auf die Stimmlippen im Kehlkopf schauen. Hier erkennt er unter Umständen, dass sich die Stimmlippen bei der Einatmung anders als normal bewegen – er sieht, dass sich die Stimmlippen zusammenziehen, obwohl sie eigentlich auseinandergehen müssen.
Die Diagnose ist aber nicht immer so eindeutig. Oft kann der Arzt auch nichts feststellen und man wacht dennoch mit den Symptomen des Kehlkopfasthmas auf.
Echtes Asthma und Kehlkopfasthma
Auch etwa 3-5% der „echten“ Asthmatiker sind von Stimmbandasthma (Kehlkopfasthma, Larynxasthma) betroffen. Beim Larynx-Asthma helfen Asthmamedikamente in der Regel nicht oder nicht so gut wie beim „echten“ Asthma. Wer sich einmal genau selbst beobachtet, wird möglicherweise feststellen, dass diese Atemnotanfälle häufig in stressigen oder konfliktreichen Sitiuationen auftreten. Man denkt „zu viel und zu schnell“, sodass man außer Atem gerät. Doch auch plötzliche, große Erleichterung, Weinen und Schluchzen können zum Stimmbandkrampf führen.
In der Psychoanalyse geraten Patienten manchmal unter Atemnot, wenn sie emotional beanspruchende Themen bearbeiten. „Das Krankheitsbild fand bereits 1842 als ‚hysterischer Croup‘ Erwähnung“ (Deutsches Ärzteblatt 2008).
Restluft zum Husten
Beruhigend ist es vielleicht zu wissen, dass wir bei der normalen Atmung nicht vollkommen ausatmen. In der Lunge steckt immer noch genügend Restluft, um husten zu können – allerdings fühlt sich das bei Erkältungs-Kehlkopfkrampf oft nicht mehr so an. Wer jedoch nachts mit der Atemnot aufwacht, die für das Kehlkopfasthma typisch ist, hat normalerweise noch Luft zum Husten und Ausatmen, sodass sich der Kehlkopf wieder entspannen kann. Auch kurzes Luftanhalten oder kurze Hechelatmung können helfen. Bei diesem Geschehen könnte auch die „Polyvagal-Theorie“ einen Erklärungsansatz liefern. Bei psychischer Anspannung ist auch der Nervus vagus (10. Hirnnerv, der „Verdauungsnerv, Ruhenerv“) stark mit einbezogen. Sowohl Symptome am Ohr als auch am Kehlkopf können hier Zeichen von innerer Not sein.
Die Stimmbänder sind auch ein Schliessmuskel. Wenn wir pressen, schliessen wir sie. Bei manchen Yoga-Atemübungen (Pranayama) wird der Kopf ganz nach vorne geneigt, um einen Kehlkopfverschluss zu erzeugen. Verschlüsse wie diese werden im Yoga „Bandha“ genannt.
Die Diagnose kann meistens anhand der genauen Beschreibung der Betroffenen gestellt werden. Manchmal können Erkältungen, Allergien, aber auch ein Reflux (Hoch- und Zurückfließen) von Magensäure dahinterstecken. Dementsprechend helfen dann Abwarten oder im Falle des Reflux eine Behandlung mit Protonenpumpenhemmern (z.B. Pantoprazol). Von Notärzten manchmal eingesetzt: Die Heliox-Therapie, also die Gabe von 20% Sauerstoff und 80% Helium (Reisner C, Borish L: Heliox therapy for acute vocal cord dysfunction. Chest 1995: 108: 1477). Auch die Gabe eines Beruhigungsmittels (z.B. Diazepam intravenös) oder kann helfen. Allerdings weiss man oft nicht so genau, ob nun das Medikament geholfen hat oder ob der Kehlkopfkrampf sich von selbst gelöst hat (was meiner Meinung nach wahrscheinlicher ist).
Es ist wichtig, sich auf die Ausatmung zu konzentrieren. Auch die Lippenbremse bei der Ausatmung hilft.
Oft hilft allein das Wissen, dass der Anfall von selbst aufhört. Atemübungen und gezieltes Ruhigwerden können dauerhaft die Anfälle abschwächen. Wer kurz die Luft anhält, anstatt krampfhaft einzuatmen, kann oft feststellen, wie sich dadurch die Stimmlippen wieder entspannen, sodass wieder ganz normal Luft durch den Kehlkopf strömen kann.
Sehr hilfreich finde ich es auch, sich mit Daumen und Zeigefinger die Nasenscheidewand zu massieren und sich die Nase zu putzen, auch, wenn es sich nicht so anfühlt, als ob da etwas drin wäre. Da Wärme und Gegendruck entspannend wirken, hilft es oft auch, sich ein Küchentuch zu falten und sich dieses vor Mund und Nase zu halten. Versuche, falls möglich, gegen Widerstand etwas auszuatmen, also das Tuch mit beiden Händen vor den offenen Mund zu halten und dort hinein auszuatmen. Du spürst die Wärme, was wiederum entspannend wirken kann. Auch, wenn es unlogisch erscheint, gegen Druck auszuatmen, wo man doch eh schon nur schwer atmen kann, so kann das paradoxerweise oft die Verkrampfung mit lösen. Die allerhöchste Kunst ist es jedoch, sich zur Ruhe zu zwingen, während man befürchtet, gleich zu sterben. Und was auch wirklich gut tun kann, sind warme Duschen – gerne auch nachts oder zwei Mal am Tag, gerade bei Erkältungen mit Kehlkopfkrämpfen bei Schleimstau-Husten.
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Links:
Isabel Garcia
Heiserkeit adé
https://www.youtube.com…
Curt Euler, Miriam Katz-Salamon
Respiratory Psychophysiology
Textbook 1988
https://link.springer.com/…
Botox bei Stimmstörungen
Injektion von Botox in die Stimmlippenmuskeln zur Behandlung von Stimmstörungen (Dystonie)
https://patientenvertretung.g-ba.de/…
Dieser Beitrag wurde erstmals veröffentlicht am 1.8.2015
Aktualisiert am 19.3.2025